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Die Gonorrhö, im Volksmund auch Tripper genannt, ist eine der ältesten bekannten sexuell übertragbaren Infektionen (STI, sexually transmitted infection) der Menschheit. Sie wird durch das Bakterium Neisseria gonorrhoeae verursacht, das ausschließlich beim Menschen vorkommt. Weltweit gehört sie zu den häufigsten bakteriellen Geschlechtskrankheiten. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) treten jährlich über 80 Millionen Neuinfektionen auf – Tendenz steigend.
Obwohl die Krankheit seit Jahrhunderten bekannt ist, bleibt sie bis heute ein ernstes medizinisches und gesellschaftliches Problem. Dies liegt nicht nur an der hohen Infektionsrate, sondern auch an den teils schweren Komplikationen, die eine unbehandelte Infektion verursachen kann, sowie an der zunehmenden Resistenz des Erregers gegenüber gängigen Antibiotika.

Die Gonorrhö wird durch das gramnegative Diplokokkenbakterium Neisseria gonorrhoeae ausgelöst. Es befällt bevorzugt die Schleimhäute des Urogenitaltrakts, kann aber auch andere Bereiche wie Rachen, Enddarm oder Augen infizieren.
Ungeschützter vaginaler Geschlechtsverkehr
Oral- oder Analverkehr
Kontaktinfektion der Augen (z. B. bei Neugeborenen während der Geburt, wenn die Mutter infiziert ist)
Das Bakterium ist außerhalb des Körpers nur sehr kurz lebensfähig, sodass eine Übertragung über Oberflächen oder Toilettensitze praktisch ausgeschlossen ist.
Die Inkubationszeit – also die Zeit zwischen Ansteckung und ersten Symptomen – liegt meist zwischen 2 und 7 Tagen. Die Beschwerden unterscheiden sich je nach Geschlecht und betroffener Körperregion.
Brennendes Gefühl beim Wasserlassen (Dysurie)
Eitriger, gelblich-grüner Ausfluss aus der Harnröhre („Bonjour-Tropfen“)
Schmerzen oder Schwellungen im Bereich der Hoden (bei aufsteigender Infektion)
Mitunter leichte Allgemeinsymptome wie Fieber oder Abgeschlagenheit
Unbehandelt kann die Infektion zu einer Epididymitis (Nebenhodenentzündung) führen, die wiederum das Risiko von Unfruchtbarkeit erhöht.
Frauen zeigen oft mildere oder unspezifische Symptome, was das Risiko einer unerkannten Infektion erhöht. Typische Anzeichen sind:
Vermehrter, oft übelriechender Ausfluss
Schmerzen beim Wasserlassen
Unterbauchschmerzen
Zwischenblutungen oder Schmierblutungen
Wird die Infektion nicht behandelt, kann sie aufsteigen und eine entzündliche Beckenerkrankung (Pelvic Inflammatory Disease, PID) verursachen. Diese kann zu Verwachsungen der Eileiter, chronischen Schmerzen oder sogar Unfruchtbarkeit führen.
Rektum (rektale Gonorrhö): Juckreiz, Ausfluss, Schmerzen beim Stuhlgang
Rachen (pharyngeale Gonorrhö): meist symptomlos, gelegentlich Halsschmerzen
Augen (Konjunktivitis): Rötung, Schwellung, eitriger Ausfluss, besonders gefährlich bei Neugeborenen
Ohne Behandlung kann die Gonorrhö schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben:
Unfruchtbarkeit bei Männern und Frauen
Chronische Unterbauchschmerzen bei Frauen
Gelenkentzündungen (Gonokokkenarthritis)
Blutstrominfektionen (Sepsis) in seltenen Fällen
Neugeboreneninfektionen mit Gefahr der Erblindung
Eine frühzeitige und präzise Diagnose ist entscheidend, um Komplikationen zu vermeiden und die Weiterverbreitung einzudämmen.
Urethralabstrich beim Mann
Vaginal- oder Zervixabstrich bei der Frau
Rachen- oder Rektalabstriche bei Verdacht auf Infektion anderer Regionen
Unter dem Mikroskop lassen sich die typischen gramnegativen Diplokokken oft direkt erkennen.
Die Anzucht des Erregers in speziellen Nährmedien ist der Goldstandard zur Diagnose und ermöglicht gleichzeitig Antibiogramme, um Resistenzen zu prüfen.
Moderne PCR-Tests sind sehr sensitiv und können auch bei symptomlosen Infektionen eingesetzt werden.
Die Therapie der Gonorrhö hat sich im Laufe der Jahrzehnte stark verändert. Früher eingesetzte Antibiotika wie Penicillin oder Ciprofloxacin sind heute aufgrund der Resistenzlage oft wirkungslos.
Ceftriaxon (intramuskulär oder intravenös)
Kombination mit Azithromycin oder Doxycyclin bei vermuteter Mischinfektion mit Chlamydia trachomatis
Die genaue Dosierung richtet sich nach den aktuellen Leitlinien. Nach der Behandlung ist in der Regel eine Kontrolluntersuchung (Test-of-Cure) notwendig, um den Therapieerfolg zu bestätigen.
Ein großes Problem im Kampf gegen Gonorrhö ist die zunehmende Antibiotikaresistenz von Neisseria gonorrhoeae. In den letzten Jahren wurden immer häufiger Stämme entdeckt, die gegen mehrere Wirkstoffklassen resistent sind. Dies erschwert die Behandlung und könnte in Zukunft dazu führen, dass Infektionen schwer oder gar nicht mehr heilbar sind.
Die WHO überwacht weltweit die Resistenzlage und fordert einen verantwortungsvollen Einsatz von Antibiotika sowie die Entwicklung neuer Medikamente.
Da Gonorrhö in erster Linie sexuell übertragen wird, stehen Aufklärung und Schutzverhalten im Vordergrund.
Kondome konsequent nutzen, auch beim Oral- oder Analverkehr
Regelmäßige STI-Tests, besonders bei wechselnden Sexualpartnern
Offene Kommunikation mit Sexualpartnern über Infektionen und Risiken
Behandlung beider Partner, um Reinfektionen zu verhindern
Eine Gonorrhö-Infektion in der Schwangerschaft kann nicht nur die Mutter, sondern auch das Kind gefährden.
Während der Geburt kann das Kind infiziert werden, was zu einer schweren Augenentzündung (Ophthalmia neonatorum) führen kann.
Durch eine gezielte Untersuchung und Therapie während der Schwangerschaft lassen sich diese Komplikationen fast immer verhindern.
In vielen Ländern gehört daher ein Screening auf Gonorrhö zur Standardvorsorge.
Neben den medizinischen Folgen hat eine Gonorrhö oft auch psychosoziale Auswirkungen. Schuldgefühle, Scham oder Ängste können die Betroffenen belasten. Deshalb ist es wichtig, dass Ärztinnen und Ärzte sensibel aufklären und Diskretion wahren. Auch Beratungsstellen können Betroffenen helfen, mit der Diagnose umzugehen und verantwortungsvoll mit Sexualpartnern zu kommunizieren.
Die Medizin arbeitet intensiv an:
Neuen Antibiotika
Impfstoffen gegen Neisseria gonorrhoeae
Schnelltests für eine noch einfachere und schnellere Diagnostik
Diese Entwicklungen sind entscheidend, um die Infektionszahlen langfristig zu senken und der wachsenden Resistenzproblematik entgegenzuwirken.
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