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Die bakterielle Vaginose (BV) gehört zu den häufigsten Störungen der Vaginalflora bei Frauen im gebärfähigen Alter. Sie ist keine klassische Infektion im eigentlichen Sinne, sondern eine mikrobiologische Dysbalance: Die schützenden Milchsäurebakterien (Lactobazillen) nehmen ab, während sich andere, oft anaerobe Bakterien stark vermehren. Diese Veränderung führt zu charakteristischen Symptomen wie einem dünnflüssigen, grau-weißen Ausfluss und einem unangenehmen, fischigen Geruch.
In diesem Artikel erfährst du, wie die Scheidenflora funktioniert, wie eine bakterielle Vaginose entsteht, welche Symptome auftreten, wie die Diagnose gestellt wird, welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt und was du vorbeugend tun kannst.

Die Scheidenflora ist ein fein abgestimmtes Ökosystem aus Millionen Mikroorganismen, das eine wichtige Schutzfunktion übernimmt.
Lactobazillen, auch Döderlein-Bakterien genannt, dominieren in einer gesunden Vagina.
Sie produzieren Milchsäure, wodurch der pH-Wert in der Scheide zwischen 3,8 und 4,5 liegt – ein saures Milieu, das krankmachende Keime abwehrt.
Einige Lactobazillen produzieren zusätzlich Wasserstoffperoxid (H₂O₂), das Bakterien abtötet und Infektionen vorbeugt.
Kommt dieses Gleichgewicht aus der Balance, können sich andere Bakterien, die normalerweise in geringer Zahl vorhanden sind, massiv vermehren – und genau das ist die Basis einer bakteriellen Vaginose.
Die exakte Ursache einer BV ist nicht immer eindeutig, aber es gibt verschiedene Faktoren, die das Risiko erhöhen können:
| Risikofaktor | Wirkung |
|---|---|
| Ungeschützter Geschlechtsverkehr | Sperma erhöht den vaginalen pH-Wert und kann die Lactobazillen schwächen. |
| Häufiger Partnerwechsel | Erhöht die Vielfalt fremder Keime, die die Flora stören können. |
| Intensive Intimhygiene | Spülungen oder parfümierte Produkte zerstören die schützende Flora. |
| Hormonelle Schwankungen | z. B. in Schwangerschaft, Menstruation oder bei hormoneller Verhütung. |
| Antibiotika-Therapien | Töten auch nützliche Lactobazillen ab und begünstigen das Ungleichgewicht. |
| Rauchen | Beeinträchtigt die vaginale Immunabwehr. |
Nicht alle Frauen mit BV bemerken Symptome – bis zu 50 % der Betroffenen sind asymptomatisch. Wenn Symptome auftreten, sind diese typisch:
Dünnflüssiger, grau-weißer Ausfluss
Fischiger Geruch, der besonders nach dem Geschlechtsverkehr oder während der Menstruation stärker wird
Leichter Juckreiz oder Brennen (seltener)
Kein starker Schmerz oder Rötung, wie es bei Pilzinfektionen üblich ist
Ein wichtiges Merkmal ist, dass der Ausfluss nicht klumpig, sondern eher homogen und dünn ist.
Es ist entscheidend, eine bakterielle Vaginose von anderen vaginalen Infektionen zu unterscheiden:
| Merkmal | Bakterielle Vaginose | Vaginalpilz (Candidose) | Trichomonaden-Infektion |
|---|---|---|---|
| Ausfluss | Dünn, grau-weiß | Weiß, bröckelig, quarkartig | Schaumig, gelb-grünlich |
| Geruch | Fischig | Neutral oder leicht säuerlich | Stark, unangenehm |
| Juckreiz | Selten oder mild | Häufig stark | Häufig stark |
| Schmerzen | Selten | Häufig Brennen, Schmerzen | Brennen, Schmerzen |
In der gynäkologischen Praxis wird BV anhand mehrerer Kriterien festgestellt. Die sogenannten Amsel-Kriterien sind Standard:
Dünnflüssiger, homogen grau-weißer Ausfluss
pH-Wert der Vagina über 4,5
Fischiger Geruch nach Zugabe von Kalilauge („Whiff-Test“)
Nachweis sogenannter „Clue Cells“ (mit Bakterien besetzte Vaginalzellen) im Mikroskop
Sind mindestens drei dieser vier Kriterien erfüllt, gilt die Diagnose als bestätigt.
Die Therapie der BV zielt darauf ab, das bakterielle Gleichgewicht wiederherzustellen und die Symptome zu lindern.
Der Goldstandard ist eine antibiotische Behandlung, meistens mit:
Metronidazol (als Vaginalgel oder Tablette)
Clindamycin (als Creme oder Kapsel)
Diese Medikamente töten die anaeroben Bakterien ab, die sich übermäßig vermehrt haben.
Hinweis: Während der Einnahme von Metronidazol sollte kein Alkohol konsumiert werden, da es zu starken Nebenwirkungen kommen kann.
Probiotische Präparate mit Lactobazillen können helfen, die gesunde Scheidenflora schneller wieder aufzubauen. Sie sind oft als Vaginalkapseln oder -zäpfchen erhältlich.
Da die BV keine klassische sexuell übertragbare Krankheit ist, wird der Partner in der Regel nicht mitbehandelt – es sei denn, es kommt immer wieder zu Rückfällen.
Auch wenn eine BV oft harmlos ist, sollte sie nicht unterschätzt werden, da sie zu Komplikationen führen kann:
Erhöhtes Risiko für andere Infektionen, z. B. Chlamydien oder HIV
Frühgeburten und Komplikationen in der Schwangerschaft
Entzündungen der Gebärmutter oder Eileiter nach gynäkologischen Eingriffen
Vor allem in der Schwangerschaft sollte eine BV unbedingt behandelt werden.
Ein gesunder Lebensstil und eine schonende Intimpflege können helfen, die natürliche Balance der Vaginalflora zu erhalten:
Sanfte Intimhygiene: Lauwarmes Wasser reicht völlig aus; auf parfümierte Produkte verzichten.
Kondome nutzen: Schützen die Scheidenflora vor pH-Verschiebungen durch Sperma.
Probiotische Lebensmittel: Joghurt oder spezielle Präparate können unterstützend wirken.
Baumwollunterwäsche und atmungsaktive Kleidung: Verhindern ein feucht-warmes Milieu, in dem sich Bakterien wohlfühlen.
Rauchen vermeiden: Stärkt die körpereigene Immunabwehr.
Keine unnötigen Vaginalspülungen: Sie zerstören die schützenden Lactobazillen.
Bei manchen Frauen kehrt die BV immer wieder zurück. Ursachen können sein:
Unvollständige Behandlung
Wiederkehrende Störungen des pH-Werts
Chronische Veränderungen der Scheidenflora
Hier kann eine Kombination aus längerer antibiotischer Therapie und probiotischer Unterstützung helfen. Auch regelmäßige Kontrollen beim Frauenarzt sind sinnvoll.
Ist BV ansteckend?
Nein, sie wird nicht direkt von Mensch zu Mensch übertragen. Ungeschützter Geschlechtsverkehr kann das Risiko aber erhöhen.
Kann ich mit BV schwanger werden?
Ja, aber unbehandelt kann BV in der Schwangerschaft Risiken bergen, z. B. Frühgeburten.
Hilft Hausmittel wie Joghurt in der Scheide?
Von solchen Methoden wird abgeraten, da sie Infektionen fördern können. Besser sind medizinisch geprüfte Probiotika.
Kann BV von selbst verschwinden?
Ja, in einigen Fällen normalisiert sich die Flora ohne Behandlung wieder. Bei anhaltenden Symptomen oder in der Schwangerschaft sollte aber immer ein Arzt aufgesucht werden.
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